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    Türkei

 

   

Strömungen wie Techno, Hop und Ethno-Pop mit türkischen Tex- ilai und Melodien. Eine bedeutende Holle spielen dabei die almancf, die Doutschtürken der zweiten oder dritten Düneration, die ihre musikalische Prä- titing in Deutschland erlebten und nun die Istanbuler Kids begeistern.
Wer sich ein wenig umhören will - an- uesichts der günstigen Preise für Kas- wetten und CDs kein Problem -, kann es i. B. mit folgenden Namen versuchen: Der 1996 verstorbene Zeki Müren war in den 70ern der bekannteste Vertreter des Arabesk (und der berühmteste Transve- stit der Istanbuler Schwulenszene) - in seine Fußstapfen tritt nun Ersoy, früher ein Er, heute eine Sie. Durch sein Istan- bul-Konzert 1986 mit Mikis Theodorakis wurde Zülfü Livaneli international be- kannt, der wie Cem Karaca für die sozial- kritische, linksorientierte Musik steht. Berühmte Pop-Größen sind Tarkan, Mustafa Sandet, Izel und viele, viele an- dere; die Techno-Lady Tu 'Joe San hinge- gen brachte es durch den Auftritt im Vorprogramm von Michael Jackson zum Star. Wer es traditioneller mag, ist mit den eher ruhigen Songs von Metin Sentürk gut bedient.
Daß Türken beim Mixen keine Gren- zen kennen, beweist der Sänger Ege, der das Arabesk sehr gelungen mit Fla- menco-Klängen vermischt. Eher verhal- tener Erfolg war dagegen der deutsch- türkischen Truppe (lnlü aus Berlin be- schieden, deren Keller-Sound für das türkische Publikum denn wahrschein- lich doch noch zu fremd ist.
Souvenirs
Das osmanische Kulturgut, aus dem die türkische Souvenir-Industrie, der wahr- scheinlich bestorganisierte Wirtschafts-
zweig, schöpfen kann, ist reich - und sie schöpft, was nur möglich ist. Um das alles an den Mann zu bringen, gibt es die >Schleppen, jene freundlichen jun- gen Männer (im Zug der zunehmenden Vergabe solcher Jobs an Jungtürken aus Deutschland heute sogar auch Frauen), die so freundlich parat stehen, wenn es auch nur das klitzekleinste Pro- blemchen gibt. Und doch immer nur den Weg zu dem Shop kennen, bei dem sie unter Vertrag stehen. Es dauert etwas, bis man sich daran gewöhnt hat, aber sie machen halt nur ihren Job, und den beherrschen sie trickreich. Wie die Reiseleiter, die zufällig bei einem >Teppichdorf( oder einer anderen Groß- markt-Halle den Bus zur Rast lenken, verdienen sie an den Prozenten - die natürlich dem Preis aufgeschlagen wer- den.
Die hochpreisigsten Produkte sind Teppiche (s. S. 30f.) und Goldschmuck. Gerade da ist Vorsicht geboten. Schmuck z. B. scheint oft nur günstig, wenn man Vergleichspreise nicht kennt. Oder wie Ersin, Schmuckhändler aus Side, nach dem vierten Ralo meinte: »Wenn ihr Schmuck kaufen wollt, fahrt ins Inland. Solchen Ramsch unter 24 Karat wie hier würde eine Türkin nie kaufen.« 900er Gold ist aber an der Küste so gut wie nicht zu bekommen!
So halte man sich an die Produkte der alten Handwerkszweige, die man am be- sten natürlich in den jeweiligen Zentren selbst kauft. Die berühmte Keramikpro- duktion, die ihre Blütezeit im 16. Jh. in iznik hatte, wird heute noch in Kütahya weitergeführt: Teller, Vasen und Scha- len, verziert mit floralen Motiven und Lobpreisungen Allahs oder den Turas (Namenssignaturen) der Sultane in ara- bischer Schrift. Eine große Tradition aus dem 19. Jh. sind kunstvoll geschnitzte
ie ältesten vorhandenen Knüpf-
teppiche (halt) stammen aus der
Seldschukenzeit, dem 13. Jh., und sind in Anatolien entstanden. Mit hoher handwerklicher Kunstfertigkeit hergestellt, lassen sie jedoch auf eine sehr viel ältere Tradition schließen.
Ursprünglich wurden die Knüpfteppi- che, die in Europa seit dem 12. Jh. be- kannt sind, von Nomaden und Bauern angefertigt. Mit dem wachsenden Inte- resse der Europäer für orientalische Teppiche seit dem 18. Jh. stieg auch die Zahl der Manufakturen. Heute stellen zahlreiche Betriebe an West- und Süd- küste Teppiche mit Mustern aus den unterschiedlichsten Gebieten her. Viel- fach kann man die Herkunft nur noch
an der Art der Knotung erkennen.
Die Nomaden verwendeten zur Her- stellung der Knüpfteppiche das Material, das ihnen hauptsächlich zur Verfügung stand, die Wolle, daneben auch zusätz- lich Baumwolle oder Ziegen- und Ka- melhaare. Bis zur Erfindung der Anilin- Farben im 19. Jh. dienten ausschließ- lich Naturprodukte zur Färbung der Wolle: Schildlaus oder Krappwurzel für die verschiedenen Rottönungen, das kostbare Safran für ein besonders leuchtendes Gelb, Indigo für Blau und vieles andere. Das Eisenoxyd für die Schwarzfärbung griff mit der Zeit die Wolle an und hinterließ durch partielle Zerstörung des Materials reliefartige Spuren im Teppich.
Das Färben und das Aufspannen der Kette am Knüpfstuhl blieb den Män-
nern vorbehalten, während das Ver- spinnen der Wolle ebenso wie das Knüpfen Frauensache war. Eine gute Knüpferin schafft 5000-10 000 Knoten pro Tag. Für 1 m Teppich rechnet man 100 Knüpftage. Die Knoten können über einen, zwei oder vier Kettfäden gehen. Am bekanntesten sind der Gördes- oder türkische Knoten, der bei >Anatok- Teppichen üblich ist, und der persische oder Senneh-Knoten, der u. a. den Teppichen aus lsparta oder Kayseri ihren Handelsnamen gibt.
Gebetsteppiche, die seit dem 18. Jh. vornehmlich in der Türkei hergestellt wurden, zeigen die übliche Gebetsni- sche, die als architektonisches Motiv in die Textilkunst übernommen wurde und häufig mit einer Wasserkanne, einer Ampel oder einem Blumenbukett verziert ist oder ganz leer bleibt. Bei nichtreligiöser Nutzung der Knüpfteppi- che stellen Blumen und Früchte die häufigsten Muster dar, hinzu kommen geometrische Motive wie Rauten, Qua- drate, Oktogone. Die versetzte Reihe von Oktogonen, die Quadrierung des Musters oder das Überziehen des Tep- pichs mit einem unendlichen Muster, etwa Arabeskenranken, ist typisch für den türkischen Teppich, im Gegensatz zur Medaillonbildung, die bei Perser- teppichen beliebt ist. Die willkürliche Beschneidung solcher Endlosmuster durch die Rahmung betont die Zufällig- keit und Nichtigkeit des Dargestellten, wie es der islamischen Auffassung ent- spricht.
 

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