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Man kauft neue
Kleider, I«'schenkt die Armen, die Kinder bekommen
Süßigkeiten. Kurban bayramt, das Opferfest zur Erinnerung an
das Opfer Abrahams (der in Erfüllung des Willen Gottes seinen
Sohn töten wollte), ist das höchste Fest des Islam. Es findet
am 10. Tag des Wallfahrts- monats des (variablen) islamischen
Kalenders statt. Üblicherweise feiert die ganze Großfamilie
gemeinsam;
jeder, der es sich finanziell leisten kann, schlachtet ein
Schaf oder ein Lamm, von dessen Fleisch Teile auch an die
Armen verteilt werden.
So eint die Muslime, die ganze isla- mische Welt, ein fester
Kodex von Gebetsregeln und Sitten, der sehr viel lebendiger
ist als der heutige christ- liche. Hinter all dem steht aber,
und das sollte man nicht vergessen, der Glaube an den einen
Gott, der auch der von Juden und Christen ist.
Pluderhose oder Mini?
Auch das ist eine Frage, die die Türkei zu spalten scheint.
Fast alles, was man zu diesem Thema sagen kann, ist immer nur
die halbe Wahrheit. Ganz in schwarz gehüllte Frauen wie in
Konya gehören ebenso zur Türkei wie die Bikinimädchen aus
Istanbul an der Stränden der Südkü- ste. Zwar wurden die
Frauen schon durch die Atatürks Reformen als Rechts-
persönlichkeit voll anerkannt, doch steht die Gleichheit in
den ländlichen Gebie- ten bis heute nur auf dem Papier. Frauen
aus den Oberschichten sind dagegen oft selbstbewußter als in
Europa und haben bessere Chancen; ihr Anteil an den aka-
demischen Berufen ist sogar größer. Die ehemalige
Ministerpräsidentin Tansu Ciller ist nur ein Beispiel.
Pluderhose und Kopftuch versus Mini, Handtäschchen, Nagellack
- wo Klei- dung so symbolisch ist, wird sie aber in der
Mittelschicht auch zum Fake: Wer was gelten will, kleidet sich
(oder seine Frau) elegant, westlich und modern, wenn es auch
nur schöner Schein ist. Die traditionelle Großfamilie findet
man zwar nur noch selten, doch bestimmt der Vater als
Familienoberhaupt fast überall, was gemacht wird - und wer es
macht. Nach wie vor wohnen viele Kinder bis ins
Erwachsenenalter bei den Eltern und führen ihr Einkommen bis
auf ein Taschengeld an die Haushaltskasse ab - das sichert die
soziale Absicherung aller Familienmitglieder, denn Renten- und
Krankenversicherung helfen kaum. Und nach wie vor gilt die
häusliche Sphäre als >natürlicher( Lebensbereich der Frau, ist
ihre Erwerbstätigkeit von der Erlaub- nis des Mannes abhängig
(bis 2001 war das auch noch gültige Gesetzeslage).
Die traditionellen Regeln jedoch sind zäh, und sie sind um so
lebendiger, je weiter man ins Inland, je weiter man
nach Osten und je höher man ins Berg- land fährt. Dabei fällt
am meisten die strikte Scheidung der Welten auf: Män- ner sind
auf Straßen und Plätzen und vor allem im Teehaus präsent und
do- minieren das öffentliche Leben. Das
ayhanesi, den Mittelpunkt der Männer- welt, wo nicht nur tayla
(Backgammon) gespielt und Geschäfte abgeschlossen werden,
sondern auch geraucht und ge- flucht wird, würde eine Frau nie
betre- ten. Andererseits haben die Männer tagsüber in den
privaten Räumen des Hauses nichts zu suchen. Dort treffen sich
die Nachbarinnen, um bei einem Schwatz gemeinsam zu arbeiten,
nur hier können Frauen sich frei bewegen. In dieser weiblichen
Welt sind die Bezie- hungen persönlicher und solidarischer als
unter den Männern, die ihre Ehre permanent beweisen müssen.
Zwischen diesen Welten gibt es tradi- tionell wenig
Gemeinsamkeit. Zärtlich-
keit und Verständnis spielen im Verhält- nis der Geschlechter
kaum eine Rolle. Zwar ist das luzka9irma, die >Jungfrau-
Entführung<, bei der ein Mädchen - ob mit Zustimmung oder
gegen ihren Wil- len - >entehrt wird, um die Familie zum
Einverständnis mit der Heirat oder zur Senkung des verlangten
Brautpreises (für die Arbeitskraft der Braut) zu zwin- gen,
kaum noch verbreitet. Doch in vielen Regionen gleicht eine
Heirat (ge- setzliche Untergrenze 15 Jahre) häufig noch einem
>Handel< zwischen den Fa- milien.
Auch die traditionellen Unterschiede in der Erziehung von
Jungen und Mäd- chen haben sich in weiten Teilen der Be-
völkerung gehalten. Den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende
des Knabenle- bens bildet die sünnet düüünü, wörtlich
>Beschneidungshochzeit, im Alter von etwa 8 Jahren. Der
angehende Mann trägt eine Festuniform mit roter Schärpe
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