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    Türkei

 

   

, Ärzte mit etwa 1000 DM; der Mindestlohn für Arbeiter hingegen liegt bei ca. 140 DM. Dagegen reichen Spitzenlöhne in einem Touristenrestau- rant bis zu 4000 DM - für die Normalbe- völkerung eine astronomische Summe.
Mit solchen Jobs gehört man schon zu den wenigen, die von den Wirt- schaftsreformen der 80er Jahre profitie- ren konnten: Großindustrielle ebenso wie Newcomer, die in wenigen Jahren ein Vermögen machten. Inzwischen heimsen ganze 20 % der Bevölkerung fast zwei Drittel der Gesamteinkommen der Türkei ein. Diese soziale Kluft ist letztlich auch der Grund für die wach- sende Rückbesinnung auf die kulturel- len und religiösen Traditionen der <guten alten Zeit(.
Islamisierung als Ausweg?
Tradition, das heißt in der Türkei natür- lich zu allererst Islam, zu dem sich 99 % der türkischen Staatsbürger bekennen. Überwiegend zählen sie zur sunnitisch- hanefitischen Richtung, die als gemä- ßigt gilt. Etwa ein Viertel der Bevölke- rung gehört der liberaleren alevitischen Konfession an, darunter namhafte Intel- lektuelle und Künstler (u. a. Aziz Nesin, der 1995 verstorbene große alte Mann der türkischen Literatur).
Doch ist der Vormarsch islamisch ge- prägter Einstellungen unübersehbar: So hat sich seit Anfang der 1990er Jahre die Zahl der Moscheen fast verdoppelt, die Zahl der Schulabgänger auf religiös ge- prägten Schulen liegt inzwischen über 100 000 pro Jahr, und auch die Zahl der Pilger zur hac ()Hadsch(), der Wallfahrt nach Mekka, steigt von Jahr zu Jahr. Sammelbecken all derer, die die Ver- westlichung der Türkei und die Markt- wirtschaft schlechthin als Wurzel aller Übel empfinden, war die Refah Partisi nWohlfahrtsparteid. Mitte der 90er wur- de sie stärkste politische Kraft, jedoch 1997/98 aus der Regierung gedrängt und verboten. Sie organisierte sich un- ter dem Namen Fazilet Partisi ()Tugend- partei() neu, konnte aber aufgrund der nationalistischen Begeisterung nach der Öcalan-Entführung bis 2001 nicht wie- der an alte Erfolge anschließen.
Doch streben die )Islamisten( keines- falls iranische Verhältnisse an. Vielmehr haben die bürgerlichen Parteien, denen sogar der neue Staatspräsident Sezer Korruption vorwirft, das Wohlergehen der gesamten Bevölkerung weitgehend aus den Augen verloren. Die <vergesse- nen( Menschen - abseits der moderni- sierten Zentren, in den Dörfern und den sterbenden Städten im Inland.
Unverkennbar freilich bleibt, daß die I urkei ein islamisch geprägtes Land ist. Heim Freitagsgebet platzen die Mo- cheen (cami, gesprochen Dschami) aus allen Nähten. Doch auch an den ande- Ion Wochentagen zeigt der Ruf des
müezzin, der die Gläubigen zum Gebet auffordert, die starke soziale Präsenz des Islam.
Sobald sein Gesang, das ezan, mit den Worten Allahu akbar ve Muhamme- den resul ullah ()Gott ist groß, und Mo- hammed ist sein Prophet() ertönt, er- stirbt in den Restaurants jede Musik (eine Ausnahme bilden natürlich die Touristenorte und die Treffpunkte der Oberschicht). Aber selbst in Touristen- orten kann man vor dem großen Opfer- fest Augenzeuge einer Schlachtung auf offener Straße werden. So präsentiert sich der Muslim in der Nachfolge Abra- hams als guter Gläubiger; zugleich lebt in dieser Sitte der traditionelle Opferri- tus der Nomadenvölker weiter.
Der Volksislam der einfachen Bevöl- kerung ist denn noch stark durch vor- islamische, schamanistische Züge ge- prägt. Weit verbreitet ist die Verehrung heiliger Steine, Quellen und vor allem lokaler Heiliger, zu deren Grabstätten re- gelrechte Wallfahrten stattfinden.
Islam, das bedeutet >Hingebung in
den Willen Gottes<, und so ist er also
nicht Religion als Privatsache, son- dern ein soziales Regelwerk, durch das der Glaube (din) das gesamte weltliche Handeln bestimmt. Fünf zentrale Ge- bote muß der Muslim befolgen (die sogenannten >Fünf Säulen>): Zuerst das Bekenntnis (sahadet) in der Formel Eshedü en la liehe il/Al/ah ve Muham- meden resul ui/ah (>Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Allah, und Mo- hammed ist sein Prophet(). Diese Worte sind auch Bestandteil des ezan, mit dem der müezzin die Gläubigen fünf- mal am Tag zum Gebet ruft. Dann das Gebet (namaz), das fünfmal am Tag vollzogen werden soll. Nach der Reini-
gung am adirvan (dem Brunnen, den es vor jeder Moschee gibt) wendet sich der Muslim in Richtung der ktble (Qibla), also zur heiligen Stadt Mekka hin. Der Gebetsritus beginnt zunächst im Stehen mit der Formel Allahu akbar ()Gott ist groß(), darauf folgt eine Ver- beugung, bis die Hände auf den Knien liegen. Anschließend wirft der Gläubige sich nieder, so daß die Stirn den Boden berührt, setzt sich wieder auf, spricht die ahaidet und wirft sich erneut nie- der. Das wichtigste Gebet ist das am Freitagmittag, das unter Leitung eines höheren Geistlichen (imam)stattfindet.
Dritte >Säule( ist das Fastengebot: Im ramazan (Ramadan) soll der Gläubige vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem
 

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