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    Türkei

 

   

 Sonderstellung nimmt der Westen des Landes ein, der mit seinen vie- in') Ouertälern diese deutliche Scheidung nicht aufweist. Subtropische Veuniationsformen ziehen sich entlang der I lußläufe bis tief ins Landesinnere hinein; die Höhenrücken sind zumeist bewaldet: recht üppig im Norden, etwa im logenreichen, den Nordwinden besondins exponierten Bithynischen Gebirge (KüroqIu Dajlari) zwischen Bursa und Bohl oder dem Ida-Gebirge (Kaz Daqi) üdlich der Dardanellen. In der mittleren gäis wechseln natürliche Restwälder (wie im Nationalpark Samsun
orstwälder wie bei Marmaris und Fethiye und waldlose Höhen (teils aufgrund von Verkarstung wie die Yuntdaji bei Bergama, teils aufgrund von Ubernutzung wie die Boz Daqlari östlich von limir).
Die agrarische Nutzung des Landes ist relativ intensiv; die Türkei gehört schließlich zu den lediglich sieben Ländern der Welt, die bei ihrer Nahrungsmittelversorgung nicht auf Importe angewiesen sind. Während in den zentralen Steppengebieten vor allem Wintergetreide, aber auch Zuckerrüben, Sonnenblumen, Obst und sogar Wein (im Kizilirmak-Bogen), an der Schwarzmeerküste schwerpunktmäßig Tee und Haselnüsse erzeugt werden, finden sich an den Küsten südlich von Izmir zahlreiche exotische Nutzpflanzen: Oliven, Tabak, Baumwolle, Wein; in den Feuchtniederungen des Asi Nehri bei Antakya werden auch Hirse und Reis angebaut. Auffällig an den Südküsten ist zudem der hohe Anteil der Gemüseproduktion in Gewächshäusern, der drei Ernten im Jahr ermöglicht.
Entwaldung und landwirtschaftliche Inwertsetzung fast aller ebenen Flächen haben zu einem dramatischen Rückgang der Tierwelt geführt. Der in Klein
asien noch in der Antike beheimatete Löwe ist natürlich längst verschwunden, doch auch sonst dezimiert starke Bejagung (teils als Gewohnheitsrecht, teils organisierte Touristenjagden) auch den Bestand von Fuchs, Wildschwein, Dachs und Mufflons (Bergschafe) in den verbliebenen Wäldern. Während das weitere Vorkommen von Braunbär und Wolf eher zweifelhaft ist, sind immer noch Kamele zu sehen, die aber meist nur als Touristenattraktionen gehalten werden. In ländlichen Gebieten dienen Mulis und Esel noch als Reit- und Zugtiere. Groß ist hingegen die Zahl von Schafen und Ziegen, die (neben Rindern) den Hauptteil der Fleischversorgung sichern; Schweinefleisch gilt im Islam hingegen als unrein und wird in der Türkei nicht angeboten.
Obwohl das Land von drei Meeren umgeben ist, wovon zwei, das Schwarze Meer (Kara Deniz) und das Mittelmeer (Ak Deniz, wörtl. >Weißes Meer() noch als relativ fischreich gelten, spielt der Fischfang keine besondere ökonomische Rolle. Auch hier zeigt sich wieder einmal die klare Gliederung nach Küste und Binnenland: da im Inland mit seiner kontinental geprägten Bevölkerung für Fisch kein Markt aufzubauen ist, versorgt sich die Küstenbevölkerung wei- terhin dezentral. Der Fischfang findet daher nach traditionellen Methoden mit kleinen Küstenbooten statt. Da Kühlhäu- ser fehlen, richten sich Fangmengen nach dem möglichen Absatz, der mit Ausnahme von Istanbul und izmir ledig- lich in den Touristenorten größere Be- deutung hat.
Unter den Vögeln, die auch mit Adler, Geier, Milan, Bussard und einigen Fal- kenarten vertreten sind, verdienen vor allem Storch und Taube Erwähnung. Letztere, weil sie als eine Art >heiligen Vogel an den Moscheen gefüttert wird, der Storch hingegen ist an den Flußläu- fen der West- und Südküste überaus zahlreich zu sehen (etwa bei Selcuk, im Mäander-Delta und bei Silifke). Die Tür- kei besitzt für Ornithologen interes- sante, sehr artenreiche Vogelreservate, die wichtige Raststation der osteuropäi- schen Zugvogelrouten sind, etwa den Kuscenneti-Park am Maramara-Meer, das Mäander-Delta und die Sultan- Sümpfe Kappadokiens , wo sogar Rosa- flamingos bobachtet werden.
Wirtschaft und Umwelt
Da noch etwa die Hälfte der Erwerbs- tätigen in der Agrarwirtschaft beschäf- tigt sind, kann man die Türkei weiterhin als Agrarland bezeichnen. Dieser Sektor trägt jedoch nur mit etwa 15 % zur Gesamtproduktivität bei und ist längst von Industrie und Dienstleistungswesen überflügelt worden. Im Dienstleistungs- sektor macht sich vor allem die ökono- misch enorm wichtige Tourismusindustrie bemerkbar; nicht zu verkennen ist jedoch, daß das Land in den letzten zwei Dekaden erhebliche Erfolge bei der In- dustrialisierung verbuchen konnte. Die gewerbliche Wirtschaft, die etwa 32 %
des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, konzentriert sich im Großraum Istanbul, bei Ankara, an der Ägäis bei izmir und an der Südküste - dort vor allem in den Freihandelszonen von Mersin und An- talya sowie rund um Adana. Wichtigste Produktionszweige sind die Textilverarbeitung und die Nahrungsmittelveredelung (Konserven), mit Abstand folgen das Baugewerbe, das von den staatli- chen Wohnungsbauprogrammen profi- tiert, sowie die chemische Industrie, die die Selbstversorgung mit Düngemitteln sichert. In jüngster Zeit konnte die Tür- kei auch in höher technisierten Industriezweigen Fortschritte vermelden, etwa in der Automobilindustrie, die heute fast den gesamten einheimischen Markt versorgt. Aus Deutschland produ- zieren z. B. Magirus-Deutz Busse und MAN Lkw in der Türkei, während die deutsche Pkw-Industrie die Entwicklung verschlafen und das Geschäft Fiat und Renault überlassen hat.
Die Erfolge der neoliberalen Wirt- schaftsreformen des 1992 verstorbenen Turgut Özal, der seit 1983 eine <neue< Türkei schuf und ihr einen 10jährigen Aufschwung bescherte, sind freilich durch die hohe Arbeitslosigkeit, eine ga- loppierende Inflation und weiterhin defi- zitäre Handelsbilanz gefährdet. Trotz hoher Investitionsraten ausländischen Kapitals muß die Türkei mehr Geld für Importe ausgeben, als sie durch Exporte und den Tourismus an Devisen ein- nimmt. Die ungebremst fortgesetzten Programme zum Ausbau der Infrastruk- tur (Straßenbau, Wohnungsbau, gigan- tische Staudämme wie den Atatürk Baraji in Südostanatolien) können daher nur mit einer <Geldschöpfung< finanziert werden, die den Wert der türkischen Lira allein zwischen 1990 und 1998 um fast 10 000 `)/0 verminderte. Das wiederum bedeutete Reallohnverluste erheblich


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