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Die Landschaften
Das Staatsgebiet, mit 779 452 km2 etwa doppelt so groß wie
Deutschland, er- litteckt sich zu etwas mehr als 3 °A auf I
tiropa (Thrakien); der Rest verteilt sich dot jene Landmasse
zwischen Europa und Asien, die nach dem lateinischen Asia
Minor Kleinasien, nach dem türki- schen Anadolu (von griech.
Anatolikon, >Land des Sonnenaufgangs() Anatolien genannt wird.
Diese Halbinsel ist Teil des alpidischen Gebirgsbogens, der
sich von den Alpen über das Balkan-Gebirge bis zum Himalaya
zieht. Durch die Nord- drift der Arabischen Scholle wurden
zwei große Gebirgszüge aufgefaltet: im Norden das Pontische
Gebirge (Küre oder isfendiyar Dajlar und Doju Kara- deniz
Da/an), im Süden das Taurus- Gebirge (Toros Daülari);
dazwischen folgt eine mittlere Gebirgsbildungszone dem Bogen
Balikesir-Nevsehir-Sivas. Gefahr durch Erdbeben einerseits,
Vul- kanismus (Thermalquellen etc.) ande- rerseits zeigen, daß
die Auffaltungspro- zesse auch heute noch fortgesetzt anhal-
ten.
Diese geologische Struktur verleiht dem Land ein deutlich
west-östlich strei- chendes Relief, das vom Bergland in der
Osttürkei (mit einer mittleren Höhe von 1800 m) nach Westen
hin abfällt. Daher entwässert die gesamte westliche Re- gion
zum Ägäischen Meer hin (längster Strom dort der Büyükmenderes,
in der Antike Maiandros), Zentralanatolien hin- gegen durch
den Sakarya Nehri westlich von Ankara und den Kizilirmak (in
der Antike Halys) östlich von Ankara ins Schwarze Meer.
Zwischen ihren Quell- gebieten und dem Taurus liegt das
abflußlose Becken um den Tuz Gölü, einen von Steppen umgebenen
Salzsee. Süd- lich der Wasserscheide des Taurus hin- gegen
gibt es (bis auf den Göksu Nehri bei Silifke und den Ceyhan
Nehri bei Adana) nur kurze, aber sehr wasserrei- che Flüsse
mit den für ein Kalkstein- gebirge typischen Karstphänomenen.
Was Landkarten kaum erkennen las- sen, aus dem Flugzeug aber
gut sichtbar wird, ist die kleinkammerige Zersplitte- rung der
Landschaft durch Bergrücken, zwischen denen flache Ebenen
liegen (im Türkischen nennt man eine solche Ebene oya). Sie
bilden die typische Land- schaftsform, nämlich eine
geschlossene geographische Einheit, meist auf eine größere
Stadt bezogen und selbst heute noch nur durch kurvenreiche
Paß- straßen mit der nächsten verbunden. Diese Struktur, an
den Küsten durch das Schwemmaterial der Flüsse, im Landes-
inneren durch Erosion der Gebirge aufgebaut, hatte auch
weitreichende Auswirkungen für die Geschichte Klein- asiens
Nach der geographischen Breite liegt das Land zwar gänzlich in
der mediterra- nen Subtropenzone, doch entspricht das Klima
des durch Gebirge vom Meer abgeschlossenen Inneranatolien ganz
dem kontinentalen Zentralasiens. Wäh- rend an den Küsten heiße
(im Süden) bis warme (im Norden) Sommer und re- genreiche,
aber frostlose Winter herr- schen, verzeichnet das
Landesinnere kalte Winter und insgesamt sehr spärli- che
Niederschläge.
Die regenreichsten Gebiete sind die Schwarzmeerküste, wo sich
unter voll- humiden Klimabedingungen eine der
mitteleuropäischen vergleichbare Vegetation entwickeln kann,
und die Südküste, deren Niederschläge bei trockenen Sommern
auf die Winter beschränkt sind. Auf dem ariden Anatolischen
Hochland liegt die Regenmenge dagegen unter 400 mm im
Jahresmittel; dort ist aufgrund der Niederschläge zwischen
März und Mai zwar noch Getreideanbau möglich (wenn auch unter
Dürrerisiko), die Landschaftsgestalt ist jedoch steppenhaft.
Flora und Fauna
Der deutlichen Gliederung der Klimazonen entsprechen die
Vegetationszonen. Die niederschlagsreichen Küstengebiete
weisen bis zu den Hochkämmen der Gebirge in der Regel üppigen
Pflanzen- wuchs auf: ausgedehnte Kiefernwälder an den
Berghängen, in tieferen Bereichen finden sich im Süden Palmen,
Korkeichen, Ölbäume und Eukalyptus, dazu die typischen
Hartlaubgewächse
der Macchia wie Kermeseiche, Erdbeerbaum, Lorbeer und
Zistrosen. Im Norden sind Buchen und Eichen, dazu Ulme, Linde,
Edelkastanie und Walnuß verbreitet; bis hoch zur Waldgrenze
bei 2200 m wachsen Tannenwälder mit einem Unterholz aus
Rhododendren.
Das Bild wandelt sich jedoch schlagartig, wenn man die Gebirge
überquert und ins Binnenland fährt, das in deren Regenschatten
liegt. Weite waldlose Steppenlandschaften, teilweise sogar
Halbwüsten mit Dornpolstern und Disteln, kahle, stark
erodierte Bergflanken bilden hier den üblichen Landschaftstyp.
Kleine Reste eines Trockenwaldes aus immergrünen Eichen und
Kiefern zeigen jedoch, daß diese Versteppung nicht natürlich,
sondern das Resultat menschlicher Ubernutzung ist. Einschlag
von Brennholz, Uberweidung und seit den 50er Jahren die
extreme Ausweitung von Ackerflächen sind die Ursache,
lediglich für das Becken um den Tuz Gölü dürfte dies nicht
gelten.
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