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Die Entwicklung
des geographischen Raums der heutigen Türkei - Schnitt- punkt
zwischen Mesopotamien, den asiatischen Steppen und Europa -
ge- staltete sich durch die gesamte Ge- schichte sehr
differenziert. Nur über ver- gleichsweise wenige Jahrhunderte
war dieses durch das Relief in viele kleine Siedlungsräume
aufgesplitterte Gebiet unter einer Herrschaft zusammenge- faßt.
Aber selbst zu diesen Zeiten wurde der ansässigen Bevölkerung
- Bauern und Viehzüchter in der Regel - nur eine
Staatsgewalt übergestülpt. So ist es na- hezu unmöglich, eine
>Generalge- schichte( dieses Raums darzustellen, die je nach
geographischer Lage - angren- zend zur Ägäis, zu den Steppen
des Süd- ostens, zum Hochgebirge Kaukasiens - sehr
unterschiedlich verlief.
Frühgeschichte
Für die jüngere Altsteinzeit (ab 35 000 v. Chr.) sind
neandertalische Jägerkultu- ren nachgewiesen, deren
Schwerpunkt
im Gebiet von Antalya (Höhlen von Ka- min und Beldibi) lag.
Der Siegeszug des neuen Menschen, des homo sapiens, ist nach
dem Stand der Forschung nicht si- cher darzustellen; man kann
aber davon ausgehen, daß die anatolische Hoch- ebene in den
Glazialperioden kaum be- wohnbar und die Siedlungsräume viel-
fach auf jetzt vom Meer überfluteten Arealen lagen. Erst vor
etwa 13000 Jah- ren trennte der Anstieg des Meeresspie- gels
(bis heute um etwa 100 m) die Ägäi- schen Inseln vom Festland.
Im 7. Jahrtausend v. Chr. bildeten sich erste >städtische(
Siedlungen aus eng aneinandergelehnten Lehmbauten, die
indianischen Pueblos glichen. Die Funde in den hüyüks
(Siedlungshügeln) von atal Hüyük bei Konya, Hadar bei Burdur
und Yümüktepe bei Mersin spie- geln die Kultur von Jägern und
Samm- lern an der Schwelle der neolithischen Revolution, der
Entwicklung von Seß- haftigkeit und Ackerbau. Neben geome-
trisch verzierter Keramik und Kultstatu- etten fand man
Wandbilder mit Jagd- szenen, in ?atal Hüyük sogar eines, das
die Stadt bei einem Vulkanausbruch zeigt. Sehr früh, im 6.
Jahrtausend, wurde hier auch die Metallverarbeitung
entwickelt.
Bronzezeit (3. Jt. v. Chr.)
Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. wandel- ten sich solche
Siedlungen zu Herr- schaftssitzen von >Regionalfürsten', deren
durch Handel und Metallverarbei- tung gewachsener Wohlstand
sich in künstlerisch gestalteten Schmuck- und Gerätfunden
zeigt. Troja II, Beycesultan bei L4ak, Alaca Hüyük bei
Hattuscha, Horoztepe an der Schvvarzmeerküste oder Kültepe bei
Kayseri sind die wich- tigsten Siedlungen dieser altanatoli-
schen Bauernkultur, die um 2300 v. Chr.
von der Kurgan-Kultur aus dem nord- kaukasischen Raum (in
Anatolien meist als Hatti bezeichnet) und von Völkern aus
Mesopotamien überlagert wurde. Seit Anfang des 2. Jahrtausends
v. Chr. unterhielten assyrische Kaufleute Han- delskontore in
Anatolien, etwa in Ka- nesch (Kültepe); sie brachten auch die
Keilschrift mit, die die Hethiter später übernahmen.
Hethiter (2000-1200 v. Chr.)
Wie die Hatti waren auch die Hethiter ein indogermanisches
Volk, kulturell ei- nerseits den Hatti ähnlich, andererseits
stark von anatolischen Traditionen ge- prägt. Ob sie eine
Weiterentwicklung jener Gruppe waren oder eine neue Ein-
wanderungswelle darstellten, ist nicht sicher geklärt. Mit
Anittas begann um 1720 v. Chr. die Königsliste des Alten
Reichs, dessen Hauptstadt zunächst Ka- nesch, dann Hattuscha
war. Aber erst unter Suppiluliumas I. (1380-1354 v. Chr.)
entstand durch Unterwerfung ganz Anatoliens und des Nordens
von Syrien das Großreich der Hethiter.
Für die folgenden zwei Jahrhunderte wird wohl auch die
Ägäis-Küste, wo Troja im Handel mit dem mykenischen
Griechenland seine große Zeit erlebte, im Schatten dieser
Macht gestanden haben. Nach der Schlacht von Kadesch 1285 v.
Chr. wurde König Muwatallis von Pharao Ramses II. sogar als
gleich- berechtigt anerkannt. Doch nur ein Jahr- hundert
später, kurz nach 1200 v. Chr., wurde das hethitische Reich
durch den >Seevölkersturm( aus Südosteuropa zer- stört, bei
dem auch Troja niederge- brannt wurde.
Während die hethitische Großreichs- zeit durch die
Aufzeichnungen in den Keilschriftarchiven von Hattuscha
relativ gut dokumentiert ist, brachen nach dem
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