| |
|
Türkei — dieses Wort löst immer
noch Assoziationen an Sultane und Haremsdamen, an
verschleierte Frauen und orientalische Basare aus —
Schlagworte wie »Die Türken vor Wien« (17. Jh.) oder »Der
kranke Mann am Bosporus» (19. Jh.) sind bis heute geläufig.
Obwohl inzwischen über 5 Mio. Türken in Deutschland heimisch
sind, ist uns das Land fremdgeblieben.
Dabei ist die Türkei tatsächlich ein recht >westliches> Land,
stark an Europa und den USA orientiert, das in der letzten
Dekade partiell eine enorme Modernisierung erlebt hat.
Partiell insoweit, daß sich die Entwicklung auf die dicht
besiedelten Küstenregionen des Westens beschränkte, die Weiten
des Anatolischen Hochlands dagegen von dem Tourismus- und
Industrialisierungsboom kaum profitieren konnten. Dieses
Ungleichgewicht läßt eine Türkei-Reise zu einem Wechselbad der
Eindrücke werden.
Der Küstenstreifen am Mittelmeer liegt schon im subtropischen
Klima, das dem Land den Reiz des Südens verleiht — doch
typisch für das ganze Land ist das nicht. Das merkt aber erst
der, der einmal ins steppenhafte, wüstenähnliche Landesinnere
aufbricht oder die Schwarzmeerküste besucht, wo auch im Sommer
tagelange Dauerregen zum Alltag gehören. Während im Inland die
Zeit stehengeblieben scheint, wird an den Küsten mittlerweile
jede idyllische Bucht mit Urlaubsiedlungen zugepflastert, wo
eine kosmopolitische Szene den drei großen S — Sonne, Saufen,
Sex — frönt. Mit der echten Türkei hat das wenig zu tun;
lediglich die Schickeria und die Studenten aus Istanbul oder
An
kara mischen hier mit — die einen, weil es >in> ist, die
anderen, weil sie hier in einem Monat als Kellner soviel Geld
verdienen wie ein Arzt in einem halben Jahr. Für die
anatolischen Bauern, und deren >Reich> beginnt schon wenige
Kilometer hinter den Küstenstädten, ist diese Welt so weit
entfernt wie Europa, und unerschwinglich dazu. Doch selbst in
den modernsten Ferienorten fließen diese beiden Welten
ineinander, wie in allen Städten sind hier die Kinder, die bis
spät nachts als Schuhputzer und Kleinhändler unterwegs sind,
ein Symbol der >Dritten Welt> in der Türkei.
Der, der nicht nur zwischen Pool und Disco pendelt, muß sich
also auf einen Spagat zwischen den Kulturen einstellen. Nur
wenige Kilometer von den glitzernden Hotelpalästen entfernt
kommt man in Dörfer, wo Auto und Kühlschrank noch nicht
selbstverständlich sind, wo die Frauen wie seit Jahrtausenden
den Tag bei harter Feldarbeit verbringen, wo die Teehäuser
noch reine Männerdomäne sind. Aber nur dort wird man die
berühmte herzliche Gastfreundschaft als echte Tradition
erleben können — soweit man nicht in Shorts und Trägerhemdchen
daherkommt und sich auch den Sitten und Gebräuchen anzupassen
vermag. Denn hier ist man wirklich im Orient, in dem
westlicher Lebensstil keinesfalls als großes Vorbild und
erstrebenswerte >Befreiung> gilt. Probleme damit haben
freilich nicht nur die Urlauber, auch für die Türkei selbst
stellt es eine Bedrohung dar. Die Kluft zwischen den extrem
wenigen, die seit den neoliberalen Reformen der 80er Jahre
immer reicher und immer westlicher werden, und der großen
Masse
derer, die daran nicht teilhaben, weitet sich von Jahr zu
Jahr. Hier liegt letztlich der Grund für all die politischen
Querelen, die die Türkei immer wieder in die Schlagzeilen
bringen: von der zunehmenden Islamisierung bis hin zum
blutigen Kurdenkonflikt.
Abendland und Orient: das Motto schlägt auch den Bogen zu den
bedeutendsten Sehenswürdigkeiten: es sind keine türkischen,
sondern griechische bzw. römische. Kein anderes Land am
Mittelmeer kann einen solchen Reichtum antiker Stätten
vorweisen — Troja, Ephesos und Pergamon sind nur die
bekanntesten Namen. Betrachtet man die Karte, stellt man
erstaunt fest, daß es tatsächlich mehr antike Stätten gibt als
moderne Großstädte. Die Türkei ist als eine doppelte
Kulturlandschaft daher
treffend beschrieben: eine abendländisch-antike unter einer
türkisch-modernen, und allzuoft vermischen sie sich sogar,
wenn sich ein türkisches Dorf in die Ruinen einer
untergegangenen Metropole eingenistet hat.
Aber auch der, den das nicht reizt, kommt an der türkischen
Küste auf seine Kosten. Die Schönheit der Strände —endlos lang
im Süden, in kleinen Buchten versteckt im Westen — ist
legendär, zumal die Türkei stolz die beste Wasserqualität im
ganzen Mittelmeer vorweisen kann. Wassersport wird fast
überall großgeschrieben: Tauchen, Segeln, Paragliding, Surfen
sind die Stichworte für den Aktivurlaub. Selbst passionierten
Wanderern oder Ski-Fans bietet die Türkei sogar noch
abenteuerliches Neuland.
Profitieren Sie
von einer Vielzahl von Vorteilen und buchen Sie mit dem Online
Reisebüro - reiseknaller.com
Wir wünschen einen schönen Urlaub und einen angenehmen
Flug ! |
|